SicherheitUrbane Simulation
SchockAnalyst: Gefährdungsanalyse von Fliegerbomben
Simulationsbasierte Gefährdungsanalyse von Bodenschockwellen bei der Entschärfung oder Sprengung von Fliegerbomben
Inhalt
Auf einen Blick

Projektförderung
Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt
Projektkoordination
Ministerium des Inneren des Landes Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf
Projektpartner
- Fraunhofer Institut für Kurzzeitdynamik
Ernst-Mach-Institut (EMI), Freiburg im Breisgau - virtualcitysystems GmbH, Berlin
Projektlaufzeit
April 2024 – März 2026
Förderkennzeichen 13N16848 bis 13N16850
Fördersumme: 1,4 Mio Euro
Projektziel
Ziel ist die Weiterentwicklung digitaler Simulationssoftware zur realitätsnahen Modellierung der Gefahrenbereiche von Blindgängern – insbesondere WWII-Fliegerbomben – in urbanen Umgebungen.
SchockAnalyst baut auf dem Vorgängerprojekt SIRIUS auf, das bereits erfolgreich eine simulationsbasierte Analyse von Druckwellen und Splitterflug in 3D-Stadtmodellen ermöglichte. SchockAnalyst erweitert diesen Ansatz um die bislang fehlende Modellierung von Bodenschockwellen – ein entscheidender Faktor, um auch Schäden unter der Erdoberfläche realistisch abzuschätzen.
Im Rahmen des Projekts gab es im Mai 2025 die größte Sprengversuchsreihe von Fliegerbomben nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Ergebnisse der Versuchsreihe flossen in die Simulationssoftware VC Blastprotect ein.
Über das Projekt
Hunderttausende Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg liegen noch immer unter der Erde in Deutschland. Ihre Entschärfung erfordert oft großflächige Evakuierungen zum Schutz der Bevölkerung. Das Forschungsprojekt SchockAnalyst entwickelt darauf aufbauend eine neuartige, simulationsbasierte Gefährdungsanalyse für den urbanen Raum.
Die Software soll Gefahren durch Druckwellen und Splitterflug im Vorfeld realistisch analysieren – künftig auch die Auswirkungen auf Fundamente, Leitungen und andere unterirdische Infrastrukturen. Auch Dämpfungsmaßnahmen sollen in Zukunft berücksichtigt werden, die Validierung erfolgt in der größten zivilen Versuchskampagne der Nachkriegsgeschichte. Ziel ist es, Evakuierungen gezielter zu planen und ihren Umfang zu verringern.
- Die Nutzung pauschaler Sicherheitsradien bei Entschärfungen führt häufig zu großräumigen Evakuierungen. SchockAnalyst zielt darauf ab, durch physikalisch fundierte Berechnungen präzisere Risikoabschätzungen zu ermöglichen – sowohl zum Schutz der Bevölkerung als auch zur Entlastung von Behörden und Einsatzkräften.
- Besonders in dicht besiedelten Städten oder in der Nähe kritischer Infrastrukturen kann eine präzisere Gefährdungsanalyse helfen, unnötige Evakuierungen zu vermeiden und Einsatzzeiten zu verkürzen.
Ausblick
SchockAnalyst liefert eine modernste Kombination aus physikalisch basierter Simulation und digitaler Stadtmodellierung, um Detonationen von Blindgängern besser abzuschätzen. Damit lässt sich:
- der Sicherheitsbereich realistisch ermitteln und ggf. gezielt minimieren,
- die Folgen für kritische Infrastruktur wie Krankenhäuser differenziert bestimmen,
- der Evakuierungsaufwand ggf. reduzieren,
- und Entscheidungssicherheit für Einsatzkräfte schaffen.
Unsere Rolle im Projekt SchockAnalyst
Als Virtual City Systems bringen wir unser Know-how in 3D-Stadtmodellen, Geodatenintegration und Visualisierung in das Projekt ein.
Unsere Aufgaben umfassen:
- die Integration der vom Fraunhofer EMI entwickelten Modelle für Druck- und Bodenschockwellen in unser bestehendes Tool VC BlastProtect,
- den Aufbau von Schnittstellen zu 3D-Gebäude- und Stadtmodellen,
- die anschauliche Visualisierung von Gefährdungsbereichen im digitalen Stadtmodell,
- die Entwicklung eines benutzerfreundlichen, cloudbasierten Demonstrators für Kampfmittelräumdienste.
So machen wir komplexe physikalische Simulationen direkt im Einsatz nutzbar – für schnelle, präzise und fundierte Entscheidungen vor Ort.
Weitere Quellen
Weiterentwicklung unserer Simulationssoftware VC Blastprotect