Digitaler ZwillingPartnerSmart CityWebinar
Smart City im ländlichen Raum: Wie der Digitale Zwilling im Landkreis Hof Daten, Beteiligung und Planung verbindet
Im Webinar „hoferLand.digital im Gespräch“ zeigten der Landkreis Hof, Virtual City Systems, DKSR und RIWA, wie eine interkommunale Smart-City-Plattform aufgebaut wird. Der Digitale Zwilling bildet dabei das Herzstück für Planung, Verwaltung und Kommunikation.
Smart-City-Projekt: 1 Plattform für 27 Kommunen
Am 21. Januar 2026 folgten mehr als 170 Teilnehmende dem Webinar „hoferLand.digital im Gespräch – Ein Smart-City-Projekt mit Vorbildcharakter“. Veranstaltet von Virtual City Systems gemeinsam mit dem Landkreis Hof, DKSR und RIWA, drehte sich das Online-Event um die Frage, wie sich ein Digitaler Zwilling im ländlichen Raum strategisch aufbauen, technisch umsetzen und praxisnah einsetzen lässt.
Sie erhielten Einblicke in eine offene, modulare Plattform, die interkommunal nutzbar ist und sowohl raumbezogene Daten als auch Echtzeitinformationen integriert.
Interkommunale Dateninfrastruktur im Verbund
hoferLand.digital vereint verschiedene technische Module zu einer vernetzten Infrastruktur. Zentraler Bestandteil ist der Digitale Zwilling, der Daten, Anwendungen und Zielgruppen übergreifend zusammenführt. Die Plattform umfasst:
- Urbane Datenplattform (UDP): Hier laufen strukturierte Daten aus verschiedenen Quellen zusammen, unter anderem Echtzeitdaten aus Sensorik (LoRaWAN), Statistikdaten sowie Informationen aus Fachverfahren. Die UDP dient sowohl als operatives Werkzeug als auch als zentrales Datenlager für analytische Auswertungen.
- Dashboards: Verschiedene Fachabteilungen greifen über die Dashboards auf zentrale Kennzahlen und Prozessinformationen zu. Der Winterdienst nutzt zum Beispiel Live-Daten zur Glatteisgefahr, aufbereitet für schnelle Entscheidungen und langfristige Optimierungen.
- Open Data Katalog: Für Transparenz und Nachnutzung werden ausgewählte Datenquellen als offene Datensätze bereitgestellt. Der Katalog unterstützt Verwaltung und Zivilgesellschaft bei datenbasierten Entscheidungen und Projekten.
- Digitaler Zwilling via VC Map: Die kartografische Komponente bildet die Daten räumlich ab. 2D- und 3D-Visualisierungen, Schattensimulationen, thematische Kartenansichten oder individuelle Planungsüberlagerungen machen komplexe Zusammenhänge greifbar. Verwaltung, Politik und Bürgerschaft greifen je nach Berechtigung gleichermaßen auf die Inhalte zu.
Das Besondere: Alle 27 Kommunen im Landkreis Hof arbeiten mit derselben Infrastruktur. Das erleichtert nicht nur die Datennutzung und -pflege, sondern ermöglicht erstmals eine durchgängige, interkommunale Zusammenarbeit im digitalen Raum.
„Wir konnten die beiden bestehenden Geoportale in einem neuen System vereinen. Damit sind alle relevanten Daten an einem Ort übersichtlich aufzufinden.“
— Alexander Kisler (Projektmitarbeiter „Smart Cities“, Landkreis Hof)
Aus der Praxis: Digitale Anwendungen mit direktem Nutzen
Die Live-Demo von Alexander Kisler (Landkreis Hof) machte deutlich, wie konkret und nutzerorientiert der Digitale Zwilling heute bereits eingesetzt wird:
Solarpotenzial in 3D
Der integrierte Solarrechner nutzt 3D-Gebäudemodelle, um für beliebige Dachflächen Ertrag, Kosten und Flächenpotenzial zu berechnen. Kommunen wie auch Bürger:innen können auf dieser Grundlage fundierte Entscheidungen zur Energieplanung treffen.
Einsatzplanung mit Glatteis-Daten
Über 130 Sensoren erfassen per LoRaWAN die Boden- und Lufttemperatur im Landkreis. Die Daten laufen in einem Dashboard zusammen, das in Ampelfarben den Handlungsbedarf visualisiert. Der Winterdienst spart so Ressourcen und kann Einsätze gezielter steuern.
Barrierefreiheit im Öffentlichen Raum
In Zusammenarbeit mit RIWA entstand eine Anwendung, die Orte nach ihrem barrierefreien Zugang bewertet. Die Information ist öffentlich verfügbar und unterstützt nicht nur Planungsprozesse, sondern auch den Alltag mobilitätseingeschränkter Personen.
Schattenwurf im Planungsprozess
In einem konkreten Projektfall wurde die Schattensituation eines geplanten Baukörpers im Umfeld einer Kindertageseinrichtung simuliert. Das Ergebnis trug dazu bei, Vorbehalte aufzulösen und die Genehmigungsentscheidung abzusichern.
Technische Besonderheiten mit Nutzenfokus
Die Umsetzung basiert auf einer Kombination aus Standardisierung, Modularität und gezielter Integration:
- Nahtlose Schnittstellen zu bestehenden kommunalen GIS-Systemen ermöglichen, dass bereits vorhandene Geodaten eingebunden werden. Vorteil: Keine doppelte Datenpflege, keine Insellösungen.
- Sensorintegration über LoRaWAN bringt Echtzeitdaten direkt in Karten und Dashboards. So entstehen unmittelbare Steuerungsvorteile für technische Dienste und Einsatzplanung.
- Katalogisierung nach DECAT-AP-Standard stellt sicher, dass Metadaten maschinenlesbar, auffindbar und interoperabel sind. Das erleichtert nicht nur Open Data, sondern auch interne Datenpflege.
- Thematische Kartensteuerung ermöglicht übersichtliche Zugänge zu komplexen Inhalten. Nutzer:innen – von der Fachplanung bis zum Ratsmitglied – gelangen mit wenigen Klicks zu den für sie relevanten Informationen.
Datenräume gemeinsam denken und nutzen
hoferLand.digital zeigt, dass auch im ländlichen Raum leistungsfähige Smart-City-Strukturen aufgebaut werden können. Die interkommunale Zusammenarbeit, die Wiederverwendbarkeit der Daten und die modulare Architektur machen das Projekt übertragbar und anschlussfähig. Der Digitale Zwilling bildet dabei das zentrale Werkzeug, um Daten, Planung und Beteiligung wirkungsvoll zu verbinden.